Blutegeltherapie

Wohl jeder hat schon einmal von den Blutegeln gehört und viele von uns empfinden sie nicht gerade als anziehende Lebewesen. Dabei sind sie für den Menschen bei der Behandlung von Schmerzen eine einzigartige Hilfe.

Die Blutegeltherapie kann bei der Durchbrechung der Schmerzblockade helfen. Blutegel werden von Naturheilkundlern seit langem geschätzt. Seit vielen Jahrhunderten dienen sie der Behandlung von Furunkeln, geschwollenen Gelenken oder Entzündungen. Die Schulmedizin nutzt sie zum Beispiel zur Therapie von chronischen Schmerzen.

Was ist eine Blutegeltherapie?

Die Therapie mit Blutegeln wird als besondere Ausleitungsmethode verstanden, wie auch das Schröpfen oder der Aderlass. Bei Ausleitungsmethoden geht es um das Ausscheiden von angesammelten Schadstoffen und Schlacken mithilfe des Blutkreislaufs. Dieses Verfahren unterscheidet sich von den anderen Methoden durch die spezielle Wirksamkeit des Blutegelspeichels. Dieser gelangt ins Blut des Behandelten, während das Blutegel saugt. Diese Methode ist sehr wirksam sowie gut verträglich, was sie bei unterschiedlichen Krankheiten immer beliebter werden lässt.

Geschichte und Herkunft der Blutegeltherapie

Aufzeichnungen aus der Geschichte zeigen, dass Blutegel schon vor etwa drei Jahrtausenden in Indien Teil der Naturheilkunde waren. Im Laufe der Zeit wurde diese Behandlungsform auch innerhalb Europas bekannt, sodass während des Mittelalters in diversen Ländern viele Behandlungen mit Blutegeln ausgeführt wurden.

Zur damaligen Zeit erhielt das Verfahren wegen zahlreicher Falsch- oder Willküranwendungen einen schlechten Ruf, denn die eigentliche gesundheitliche Situation vieler Patienten wurde wegen mangelhaften Erkenntnissen der Wissenschaft nicht berücksichtigt. Seit einigen Jahren wenden Ärzte und Heilpraktiker die Blutegeltherapie allerdings zunehmend häufiger an, sodass das Verfahren eine neue Blütezeit erlebt.

Neben der Anwendung als Ausleitungsverfahren wird die Blutegelbehandlung mitunter auch als ergänzende Behandlungsmethode in der Schulmedizin eingesetzt. Schon während der Antike waren Blutegel bei therapeutischen Zwecken beliebt. Heute kommen sie verstärkt bei der Behandlung von Schmerzen, Arthrose, Wunden oder offenen Beinen zum Einsatz.

„Egel“ ist aus dem Griechischen abgeleitet („echis“ für kleines Schlangentier). Einige sind der Ansicht, dass sich um den Aeskulapstab ein Blutegel windet. Die Germanen verwendeten den Begriff „Blutegel“ fast gleichbedeutend mit „Heiler“. Dhanvantari, eine indische Gottheit im Ayurveda, hält solch ein Egel in der Hand. Im englischen Sprachraum hießen die mittelalterlichen Heiler „leecher“, wobei das englische Wort „leech“ für Blutegel steht.

Mittlerweile ist diese Behandlungsform ein wichtiger Teil der Forschung. Es wurde schon längst dargelegt, dass die Wirkungen der Therapie nichts mit altem Aberglauben zu tun haben. Auch in der rekonstruktiven Chirurgie wurden die empfindlichen Blutegel vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt, als Ärzte einem kleinen Jungen mit abgerissenem Ohr nur mit der Hilfe der Blutegel das Ohr retten konnten. Die kleinen Egel erhielten durch ihre Sekrete den Blutfluss im Ohr aufrecht, sodass es wieder am Körper anwuchs.

Seitdem sind Blutegel wieder eine gern gesehene Heilmethode. Die Biochemie konnte einige Wirkstoffe und Wirkungsweisen des Blutegelspeichels ermitteln.

Wer kann und sollte sich mit Blutegeln behandeln lassen?

Für wen eignet sich eigentlich die Blutegeltherapie? Die Therapie mit Blutegeln eignet sich normalerweise für jeden. Dennoch sollte sie bei manchen Erkrankungen oder unter gewissen Umständen nicht zur Anwendung kommen. Das betrifft die Anwendung von Blutverdünnern (Marcumar), Immunschwäche, Anämie, Schwangerschaft und verstärkte Narbenbildung.

Wo sind die Anwendungsgebiete einer Blutegeltherapie?

Die Blutegeltherapie kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen angewandt werden. Hauptsächlich kommt sie bei Stauungen in den Venen, Venenentzündungen oder Krampfadern zum Einsatz. Vor allem bei Arthrosepatienten kann die Therapie die Schmerzen sehr gut lindern und bei der Reduzierung von Schwellungen helfen. Oft werden Arthrosebeschwerden schon nach einer einzigen Behandlung mit Blutegeln deutlich gelindert.

Blutegelanwendungen sind generell sehr hilfreich, wenn es um Erkrankungen aufgrund von Entzündungsprozessen oder Durchblutungsstörungen geht. Blutegelbehandlungen haben sich vor allem bei diesen Erkrankungen als geeignet herausgestellt:

Ablauf einer Blutegelbehandlung

Die medizinischen Blutegel sind äußerst sensible sowie geruchsempfindliche Lebewesen. Aus diesem Grund sollte die zu behandelnde Hautstelle ein paar Tage vor einer Abwendung nicht mit Seifenprodukten gewaschen oder mit Cremes eingerieben werden. Am Anfang einer Blutegelbehandlung setzt der Arzt oder Heilpraktiker einen oder mehrere Blutegel mit der Pinzette auf die ausgewählte Hautstelle. Damit das Tier auch dort mit dem Saugen beginnt, stülpt der Heilpraktiker ein Glas über den Blutegel, damit es an der gewünschten Stelle bleibt. Nun nimmt das Tier seine Saugarbeit auf und gräbt seine zahlreichen kleinen Zähne in die Haut des Patienten. Der Blutegel sondert sogleich ein Betäubungssekret ab, sodass dieser Prozess kaum spürbar ist. Es fühlt sich fast wie ein Mückenstich an.

Eine Blutegelbehandlung dauert zwischen einer halben und eineinhalb Stunden. Während der Behandlungsdauer saugt der einzelne Blutegel bis zu 20 Milliliter Blut heraus. Meist werden zwischen zwei und sechs Blutegel eingesetzt.

Die Blutegelbehandlung heißt deshalb auch kleiner Aderlass. Wenn ein Blutegel ausreichend Blut aufgenommen hat, fällt das Tier von allein ab. Die Blutegel sollten auf keinen Fall unter Einwirkung von Gewalt von der Haut genommen werden, da sonst Kieferteile der Tiere zurückbleiben können, wodurch sich die Wunde entzünden kann.

Die Wunde wird im Anschluss bluten. Das ist so vorgesehen und ein Stillen der Blutung ist nicht empfehlenswert. Durch das Bluten erhöht sich die Effektivität dieser Behandlung und befreit die Wundstelle von möglichen Keimen. Zum Behandlungsabschluss erfolgt die Versorgung der Wundstelle mithilfe eines lockeren und sterilen Verbandes. Die Nachblutung ist mehrheitlich nach einem halben bis einem Tag abgeschlossen.

Ist eine Blutegeltherapie schmerzhaft?

Wenn ein Blutegel zubeißt, ist das nicht mit Schmerzen verbunden. Patienten berichten von einem leichten Ziehen und gelegentlich von einem Gefühl eines Mücken- oder Nadelstiches. Mitunter entsteht ein leichter Juckreiz wie bei einem Mückenstich. Nebenwirkungen treten selten auf, doch vereinzelt bilden sich Rötungen. Entzündungen sind seltene Nebenwirkungen.

Wie lange muss ich mich nach solch einer Therapie schonen?

In zahlreichen Praxisräumen verbringen die Patienten nach einer Blutegeltherapie noch ein paar Stunden. Nachdem die Blutegel abgefallen sind, setzt eine gewünschte Nachblutung ein und die Wundstelle wird mit einem dicken, jedoch lockeren Verband bedeckt. Die Nachblutung dauert von wenigen Stunden bis zu einem Tag. Sie ist Teil dieser Behandlung und sorgt dafür, dass sich die Wunde selbst reinigt. Das Verbandsmaterial wird im Idealfall in regelmäßigen Abständen gewechselt. Meist werden die Patienten am Folgetag für einen Verbandswechsel in die Praxis bestellt.

Nach einer Blutegelbehandlung ist Ruhe und genügendes Trinken wichtig. Optimal ist ungesüßter Tee oder stilles Mineralwasser. Möglicherweise tritt nach einer solchen Behandlungssitzung ein Jucken auf. Hier ist das Kratzen nicht empfehlenswert, da die Wundstelle sich ansonsten infizieren kann. Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Blutegel nah an Gelenken saß. Diese Bereiche sollten eine gewisse Zeit keine oder kaum Belastung erfahren.

Am Behandlungstag sollte die betroffene Hautstelle keinen Kontakt mit parfümhaltigen Seifen, Cremes, Duschgels sowie Lotionen aufnehmen. Die Bissstelle des Blutegels kann eine sehr kleine sternenförmige Narbe hinterlassen, welche in der Regel nach und nach gänzlich verschwinde

Wie wirkt die Blutegeltherapie?
Blutegeltherapie Anwendung

Bei einer Blutegelbehandlung stehen die Wirkstoffe des Blutegelspeichels im Fokus. Darin befinden sich mehr als 20 unterschiedliche Inhaltsstoffe. Vor allem die Wirkstoffe Eglin sowie Hirudin erwiesen sich als große Hilfe und waren deshalb von großem Interesse für Wissenschaftler. Eglin sorgt für eine Blockade der für Entzündungen verantwortlichen Enzyme. Dadurch wirkt diese Substanz auf natürliche Weise entzündungshemmend. Zusätzlich lindert Eglin Schmerzen.

Hirudin wirkt auf mehrere Arten positiv. Es hemmt die Gerinnung des Blutes, sodass sich keine Thrombosen bildet oder bereits vorhandene Thrombosen auflösen können. Daneben löst Hirudin Krämpfe in den Gefäßen auf, was zur Entstauung führt. Außerdem wirkt sich Hirudin positiv auf die Immunabwehr aus, denn es fördert die Entstehung weißer Blutkörperchen. Diese werden auch Leukozyten genannt und sind Zellelemente unseres Immunsystems.
Hirudin sorgt auch für einen beschleunigten Lymphfluss, sodass die im Lymphsekret enthaltenen schädlichen Stoffe während der Ausleitung mit den Blutegeln schneller ausgeschieden werden.

Wann tritt die Wirkung ein?

Meist dauert eine Behandlungssitzung von einer halben bis zu eineinhalb Stunden. Gelegentlich kann sie auch zwei oder drei Stunden dauern, bis ein Blutegel mit dem Saugen fertig ist und von selbst abfällt. Die Wirkung der Behandlung tritt jedoch schnell ein, sobald die Blutegel mit dem Saugen beginnen.

Der Wirkstoff Calin sorgt dafür, dass die Wundstelle noch bis zu einem Tag lang nachblutet und somit offen bleibt. Deshalb wird ein Verband angelegt.

Nebenwirkungen einer Blutegeltherapie

Gibt es Nebenwirkungen bei der Blutegeltherapie? Bei Blutegelbehandlungen treten häufige Nebenwirkungen auf, welche aber überwiegend sehr harmlos sind. Beispiele sind Blutergüsse im Bereich der Bissstelle. Sie verschwinden in kurzer Zeit wieder. Ganz normal sind auch Juckreiz, leichte Schwellungen oder Rötungen, die sich bis etwa zwei Tage nach einer Behandlungssitzung bilden können.

Die Bissstellen verheilen im Regelfall in ein paar Wochen vollständig und sind dann völlig unsichtbar. Dennoch können bei Senioren mit stärkerer Narbenbildung kleine Narben entstehen. Bei manchen Patienten kommt es nach einer Behandlung zu einer Kreislaufschwäche. Deshalb ist es sinnvoll, den restlichen Tag mit viel Ruhe ausklingen zu lassen und dabei ausreichend Flüssigkeit auszunehmen.

Diese Blutegeltherapie Nebenwirkungen sind selten oder sehr selten:
  • länger andauernde Nachblutungen
  • Wundheilung verzögert sich
  • abfallender Blutdruck
  • Infektionen
  • Entzündungen
  • Allergiesymptome

 

Wie oft kann man eine Blutegeltherapie machen?

Abhängig von der Erkrankung sowie der persönlichen Wirksamkeit der Therapie reicht eine einzelne Blutegelbehandlung oder auch mehrere. Wiederholte Behandlungen über eine längere Zeit sind selten notwendig.

Wie viel kostet eine Blutegeltherapie?

Jeweils abhängig vom Anwendungsbereich werden zwei bis sechs Egel auf die zu behandelnde Hautstelle gesetzt. Vorher findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch statt, in welchem dem Patienten der Behandlungsablauf, die Risiken, Nebenwirkungen sowie die Behandlungskosten erläutert werden.

In der Regel kostet die Behandlung in Abhängigkeit von den benötigten Blutegeln plus Verbandmaterial bis zu 130 Euro.

Übernimmt die Krankenkasse eine Therapie mit Blutegeln?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten für die Blutegelmethode nicht. Manche Privatkassen sehen eine Kostenübernahme vor, andere nicht.

Kann ich eine Blutegeltherapie selbst durchführen?

Eine Blutegelbehandlung sollte ausschließlich von professionellen und erfahrenen Therapeuten oder Ärzten vorgenommen werden. Wichtig ist außerdem eine vorherige Beratung durch den Arzt. Die Einhaltung der Hygienevorschriften bei der Behandlung ist ein weiteres wichtiges Kriterium.

Heilpraktiker und Therapeuten mit Schwerpunkt Blutegeltherapie in Deutschland und Österreich.

Fazit

Die Forschung sowie die Pharmaunternehmen erkannten seit langer Zeit, welche bereichernden und effektiven Wirkstoffe im Speichel der Blutegel stecken. Diese Wirkstoffe fördern die Durchblutung und den Lymphfluss, hemmen Entzündungen, greifen in die Blutgerinnung ein, um Thrombosen zu verhindern oder zu entfernen und lindern Schmerzen.

Ob die Blutegelanwendung das Richtige ist, finden Patienten im Gespräch mit ihrem behandelnden Hausarzt heraus. Dabei ist auch abzusprechen, welche Medikamente im Moment eingenommen werden, denn manche sind bei der Blutegelbehandlung tabu. Diese besondere Therapie sollte nur von erfahrenen Therapeuten ausgeführt werden.

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