Baldrian

Für den guten Ruf des Baldrian braucht man sich nicht zu sorgen. Er ist bereits eine der populärsten einheimischen Heilpflanzen. Der Baldrian war bereits in der Antike eine geschätzte Arzneipflanze. Plinius und auch Dioskurides lobten ihn wegen seiner nachhaltigen Heilkraft. Im Mittelalter galt Baldrian quasi als ein Allheilmittel, denn er hatte damals ein weitaus breiteres Anwendungsspektrum als heute.

So wird er in den verschiedensten Quellen als probates Mittel gegen Gelbsucht, Asthma, Husten, Blähungen, Kopfweh, Menstruations- und Verdauungsbeschwerden, Würmer und schlecht heilende Wunden genannt.

Hildegard von Bingen

Sie stufte den Baldrian als wärmend und feucht ein. Sie empfiehlt gepulverten Baldrian bei Gicht und Rippen-bzw. Brustfellentzündung.  Selbst zur Vorbeugung gegen die Pest galt er als hilfreich. Vielleicht versprach man sich von seinem durchdringenden Geruch- er wurde auch häufig als „Stinkwurz“ bezeichnet- einen Schutz vor dem Schwarzen Tod. Die beruhigende und krampflösende Wirkung des Baldrian galt lange Zeit als Entdeckung des 18 Jahrhundert. Doch einige Quellen- wie etwa der zitierte Text aus dem „Lorscher Arzneibuches“ deuten darauf hin, dass diese sehr wohl auch schon in der mittelalterlichen Klosterheilkunde bekannt war. Für Paracelsus und Hildegard von Bingen galt der Baldrian als zuverlässiges Heilmittel. Er wurde sogar in die Reihe der „Liebesmittel“ gestellt, wie wir einer Handschrift aus dem 15.Jahrhundert entnehmen können.

Spaziergang durch die medizinische Geschichte

Noch lange nach der Pestzeit hat man den Baldrian als Mittel gegen Ansteckung verwendet. Er hing als Amulett um den Hals, wurde gekaut oder man räucherte mit seinem Wurzelpulver.  Besonders auffällig ist, dass der Baldrian in den alten Kräuterbüchern hauptsächlich als Augenheilmittel gelobt wird. Davon ist in der neueren Literatur nichts mehr zu finden. Nur bei alten Kräuterfrauen kann man noch von dieser Anwendung hören, Baldrian ist gut für Licht,  wobei sie mit Licht die Augen meinen. Obwohl etwas an der alten Sage vom Goldschmied zu Würzburg dran ist? Dieser so heißt es, hat sich mit Baldrian die Augen so getränkt, dass er auf einer gebrochene Nähnadel einen deutlich erkennbaren, in allen Einzelheiten abgebildeten Löwen gravieren konnte.

In neueren Zeiten haben sich alle Heilkräfte des Baldrians auf eine Hauptwirkung reduziert: er ist ein Beruhigungsmittel für die Nerven. In unserer Zeit ist der Baldrian durch die Instrumente und Reagenzien der Labors gegangen und hat dort den Stempel Geprüft und als heilkräftig befunden erhalten. Seine entkrampfende Wirkung auf das Zentralnervensystem bei Mensch und Tier gilt als bewiesen. Von den anderen Heilkräften des Baldrians ist nichts mehr übriggeblieben

Das Wesen dieser Pflanze

baldrian

Der Baldrian erwartet uns draußen im Wald, auf einer kleinen Lichtung, am Waldrand, im feuchten Laub, im Auwald oder ganz nah am Fluss. Er liebt das feuchte Element – wenn wir ihn pflücken, welkt er rasch. Der Baldrian hat eine anmutige Gestalt, ganz eine Elfenpflanze. Der hohe, schlanke, rasch aufgeschossenen Pflanzenstiel ist von feinen Blättern geziert, nicht zu viele, gerade so, dass sie einen schönen Kontrast zum gerillten Stiel bilden. Ein Blütenschirm krönt die Erscheinung, zusammengesetzt aus weiß-rosa Blüten. Er ist mehrjährig und wird bis 0,5-1,5 Meter hoch. Am Baldrian ist nichts Schweres. Wie eine rosa Wolke schwebt die Blüte über den grazilen Stiel und Blätterwerk. Selbst luftig und leicht, lebt er ganz zum Licht hin. Der Baldrian hat die Kraft mit denen man wilde Tiere und „wilde Nerven“ zähmen kann. Dies ist ein schönes Bild für die entspannenden und beruhigenden Heilkräften des guten Waldgeistes Baldrian, der unser wildes Gemüt zähmt und die erregten Nerven entspannt.

Ein Tier jedoch gebärdet sich wie toll, wenn sie Baldrian riecht.  Katzen lieben Baldrian und geraten in Ekstase, wenn sie an die Wurzeln geraten. Sie streichen auch im Garten stets um die Pflanze herum und lassen sich bei ihr nieder oder springen in sie hinein, drücken Zweige auf den Boden und wälzen sich darauf. Mit Baldrian kann man also durchaus eine Katze vom Baum oder ins Haus locken, wenn sie gar nicht folgen will. In der Tierheilkunde kann man Baldrian mit gutem Erfolg anwenden bei Hunden, Pferden, Kühen oder auch bei Vögeln wirkt er beruhigend und entspannend.

Wichtiger Hinweis: Das Einnehmen von Baldrian ist für Katzen toxisch und kann zu Leberschäden führen. Katzen genießen Baldrian daher ausschließlich als Duftstoff.

Noch zwei weitere Tierarten stehen im Bezug zum Baldrianduft. Regenwürmer werden im Boden von seinem Geruch angezogen, vermehren sich verstärkt und sind so noch intensiver in der Bodenverbesserung unserer Erde tätig. Baldrian ist sozusagen ein Liebesparfüm für Regenwürmer. Baldrian hat eine hervorragende Wirkung auf Pflanzen im Gemüsegarten (Regenwürmer).   Er hat eine wichtige Schutzfunktion bei der Frühjahrsspritzung der Obstbäume. Damit verhindert man im biologisch-dynamischen Landbau Einbußen durch späten Frost. Baldrian entwickelt Wärme und umgibt die Blüten mit einem Schutzfilm.

Auch Forellen reagieren auf den Duft des Baldrians. Bestimmte Zubereitungen aus dieser Pflanze benützte man früher, um sie für den Fang anzulocken.

Herkunft und Anbau

Der Baldrian gehört zur Familie der Geißblattgewächse und ist in Europa und Asien heimisch. Im nordöstlichen Amerika wurde die Pflanze eingebürgert. Der Arzneimittelanbau erfolgt vorwiegend in England, Belgien, Deutschland und Osteuropa. Die Blüten besitzen einen angenehmen Duft, während der Wurzelstock sehr streng riecht. Die Wurzel wird im zweiten Jahr geerntet, da sie dann eine Vielzahl wichtiger Inhaltsstoffe – z.B. ätherisches Öl, Glykoside, Gerbstoffe, Valepo-Triate, Alkaloide….

Verwendete Teile und Inhaltsstoffe

In der Naturheilkunde wird nur die Baldrianwurzel verwendet, als deren Hauptwirkstoffe die im ätherischen Öl enthaltenen Sesquiterpene gelten. Sie enthält außerdem Valerensäure, die mit ihren Derivaten krampflösend und beruhigend wirkt, sowie Lignane, die uns müde machen.

Anwendungsgebiete

Wissenschaftlich anerkannt ist die Anwendung von Baldrian bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen. Studien haben gezeigt, dass sich bei Einnahme von Baldrian die Einschlafzeit verkürzt, das nächtliche Aufwachen vermindert und die Schlafqualität gehoben wird. Dadurch bessert sich nach 3 bis 4-wöchiger Anwendung auch die Tagesbefindlichkeit. Im Gegensatz zu chemischen Schlafmitteln besteht bei Baldrian keine Suchtgefahr. Es besitzt auch keinerlei narkotische Wirkung, die am folgenden Tag zu Benommenheit führen kann.

 In der Erfahrungsheilkunde setzt man Baldrian wegen seiner beruhigenden Wirkung auch bei Magenkrämpfen und Reizmagen sowie Übererregbarkeit während der Menstruation ein.

Alle Formen von nervösen Zuständen, so schreibt Pfarrer Kneipp, ob im Krampf oder Schmerz, verlangen den Baldrian!

Anwendungsform

Baldrianwurzel-Extrakte sind in zahlreichen Präparaten allein oder in Kombination mit anderen Stoffen enthalten. Gebräuchlich sind Tinkturen, Tees, Frischpflanzenpresssäfte und Dragees. Da Baldriantee unangenehm bitter schmeckt, sind Teemischungen empfehlenswert. Der Frischpflanzenpresssaft wird aus geschmacklichen Gründen am besten mit Apfelsaft gemischt.

Nicht nur wegen des bitteren Geschmacks, sondern auch zur Sicherung der richtigen Dosierung empfiehlt es sich, auf standardisierte Fertigpräparate zurückzugreifen.

Tolle Rezept mit Baldrian
Teezubereitung

2 Teelöffel zerkleinerte Baldrianwurzel mit 1Tasse kalten Wasser übergießen, mindestens 12 Stunden ziehen lassen, abseihen und leicht erwärmen. Bei chronischen Schlafstörungen sollte man mehrere Tassen über den Tag  verteilt trinken, um eine spürbare Wirkung zu erreichen. Man wird am Tag trotzdem leistungsfähig bleiben.

Einfach gut schlafen Tee

1-2 Teelöffel dieser Teemischung mit einer Tasse heißem Wasser (ca.70 Grad) übergießen. Zugedeckt 3-5 Minuten ziehen lassen und abseihen, evtl. mit Honig süßen. Vor dem Schlafengehen schluckweise trinken.

Die schlaffördernde Wirkung diese Tees wird durch ein abendlichen Fußbad oder Bad mit ätherischen Ölen (5 Tropfen Lavendel, 4 Tropfen  Zedernholz, 4Tropfen Weihrauch ) unterstützt.

Der Wirkstoff Calin sorgt dafür, dass die Wundstelle noch bis zu einem Tag lang nachblutet und somit offen bleibt. Deshalb wird ein Verband angelegt.

Gute Nerven Tee

1 Teelöffel der Mischung mit 1 Tasse heißen Wasser übergießen, ziehen lassen 2-3 Tassen täglich. Der Tee ist zur Stärkung die Nerven, hilft bei Angst und Spanungszuständen, Stress, nervöser Unruhe und Prüfungsangst.                      

Baldrianwein

1 Handvoll Baldrianwurzeln trocknen und sehr klein schneiden.
2 El Orangenschalen von einer frischen unbehandelten Orange, fein zerkleinern.
1 Handvoll Melissenblätter, frisch oder getrocknet, auch klein schneiden.
2 EL Waldmeisterkraut, getrocknet, klein geschnitten zu 1 Liter Weißwein. (Nach Geschmack kann auch gesüßt werden.)

Die Kräuter in ein Schraubglas füllen, mit dem Wein übergießen und gut verschließen. 3 Wochen  an einem warmen Platz ziehen lassen, täglich  schütteln. Abseihen und in dunkle Flachen füllen.  Eine halbe Stunde vor dem Schlafen gehen ein Likörglas des Weines genießen.

Baldrianschlafkissen

Ein kleines Kissen zu gleichen Teilen mit folgenden getrockneten Blüten füllen.

Baldrianblüten – Lavendelblüten – Holunderblüten

Sorgt für einen guten Schlaf.

Augenstärkender Tee

1TL der Mischung mit 2 Tassen heißen Wasser überbrühen. Zugedeckt lassen, bis sich der Tee auf Körpertemperatur abgekühlt hat. Sehr gut abseihen und die Augen damit in einer Augenbadewanne (Apotheke) baden. Oder eine kleine Kompresse darin tränken und auf die geschlossenen Augen legen. Hilft gut bei überanstrengten und geröteten Augen.

Baldrianwurzel kann man gut in der Apotheke kaufen!

Baldriantinktur

200g getrocknete Wurzeln werden klein geschnitten und mit 1l hochprozentigen (40% bis 50%) Kornschnaps, Obstbrand oder Weingeist übergossen. Gut  verschließen und etwa 4 Wochen an einen warmen Ort ziehen lassen. Nach dem abseihen in einer dunklen Flasche aufbewahren.
30 Tropfen helfen gegen Nervosität. Bei Baldrian kann die Dosierung ganz individuell sein. Ich rate dazu, die persönliche Dosierung selbst herauszufinden.

Vorsicht bei einer Überdosierung  kann es zu Kopfschmerzen und Schwindel führen.

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